Der Projektchor der Neuapostolischen Kirche für den Bezirk Recklinghausen war eingeladen worden, eine der Andachten an der Weihnachtskrippe in Stuckenbusch musikalisch mitzugestalten. Die Krippe in der katholischen Kirche St. Franziskus v. Assisi ist seit vielen Jahren über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Gerne hat Chorleiter Stephan Heimrath der Einladung zugestimmt und so wartete ein schönes musikalisches Programm auf die Besucher.
Allerdings stimmte der vorgesehene Termin, der 23. Januar 2011, etwas nachdenklich. Weihnachten? – Für viele ist die Weihnachtszeit bereits mit dem letzten Bissen Weihnachtsgans am 25. Dezember beim großen Familienfestessen beendet. Spätestens aber Anfang Januar, wenn die kommunalen Servicebetriebe die ausgedienten Weihnachtsbäume abholen, und die Gartencenter ihre saisonalen Sonderflächen von Weihnachtsdekoration wieder auf Gartenmöbel umrüsten, haben die meisten das Thema „Weihnachten“ für ein Jahr wieder abgehakt. Man beginnt stattdessen, den Sommerurlaub zu planen…
Recherchen haben ergeben, dass es offiziell gar kein Ende der Weihnachtszeit gibt. Regional, geschichtlich und konfessionell gab und gibt es unterschiedliche Sichtweisen, die jeweils den 1. Januar, 6. Januar, 13. Januar oder 2. Februar als Ende der Weihnachtszeit betrachten. Der 23. Januar würde also noch in einen der Zeitrahmen passen!
Die Andacht wurde von Pfarrer David Formella gehalten. Nachdem er alle Anwesenden begrüßt hatte, leiteten Gebet und gemeinsames Eingangslied die besinnliche Stunde ein.
Dann trug der Chor Auszüge aus der Deutschen Messe von F. Schubert vor. Die Sängerinnen und Sänger wurden auf der Orgel begleitet durch Nils Wagner. Für den Chor war das Singen in dieser Umgebung eine ungewohnte Klangerfahrung, denn die Akustik in der alten Klosterkirche ist doch etwas anders, als in der gewohnten Umgebung unserer neuapostolischen Kirchengebäude. Als Zuhörer merkte man aber, dass es ihnen viel Freude machte und eine schöne ruhige Atmosphäre breitete sich aus.
Nach einer kurzen Meditation von Pfarrer Formella folgte die Sinfonia aus der Kantate 29 von J.S. Bach. Sie wurde durch Philipp Kujath auf der Orgel gespielt, in solch einem Tempo, dass man als Zuhörer überlegte, ob der Organist wohl irgendwann Knoten in den Fingern haben würde?
Nach weiteren besinnlichen Worten des Gastgebers wurden im letzten musikalischen Teil Weihnachtslieder vorgetragen. Auch der abschließende Gemeindegesang mit „O, du fröhliche“ erinnerte wieder an die (fast) beendete Weihnachtszeit.
Als die Andacht zu Ende war, nutzten viele Besucher die Gelegenheit, die wunderschöne, mit liebevollen Details gestaltete Krippe zu bestaunen. Die Tradition geht zurück zu den Franziskanern. Bereits im Jahre 1901 wurde die erste Weihnachtskrippe gebaut und die Tradition im Laufe der Jahre gepflegt. Viele Besucher erfreuen sich an den Krippenlandschaften, die sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr weiterentwickelt haben. Die Andachten an den Weihnachtstagen und den Sonntagen im Januar sind sehr beliebt. Bis zum 30. Januar ist in diesem Jahr noch Gelegenheit zur Besichtigung.
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