Herne-Wanne. Trinitatis...?!?? Herne-Wanne....?!?? Unbedarft mag man meinen, beides habe mit dem Bezirk Recklinghausen der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland so gar keine bis marginale Berührungspunkte. Wer jedoch den heutigen Gottesdienst erlebt hat, den Bezirksapostel Stefan Pöschel in der Zentralkirche auf der Hermannstraße 11 in Wanne-Eickel hielt, darf sagen: "Ja klar. Und unvergesslich!"
Nachbarschaftshilfe
Das Ausweichen der Glaubensgeschwister aus Recklinghausen in den benachbarten Süden hatte Gründe: Bezirksältester Raimund Gauert, der 2018 die Leitung des Bezirks Recklinghausen mit seinen acht Gemeinden von Haltern am See bis Herten (ohne See) übernahm, sollte in den altersbedingten Ruhestand versetzt werden. Zugleich mussten, bedingt durch die Ruhesetzung, einige Nachfolgeregelungen getroffen werden, um sogleich Lücken zu schließen.
Um allen Glaubensgeschwistern hierzu die Möglichkeit der Teilhabe zu bieten, blieb mangels bezirksinterner Lösungsmöglichkeit aus Platzgründen nur das Ausweichen in den Nachbarbezirk Herne, der auf der Hermannstraße 11 in Wanne-Eickel mit einer Zentralkirche aufwarten kann, die etwa 900 Besucherinnen und Besuchern Platz zu bieten vermag. Insoweit durfte der Bezirk Recklinghausen geschwisterliche Gastfreundschaft genießen - zum Glück! Denn die Kirche war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, persönlich Verhinderte hatten zudem die Möglichkeit, via IP-TV mit Bild und Ton an dem Gottesdienst teilzunehmen.
Das Kirchenjahr
Nach Gesang und Verlesung des dem Gottesdienst zugrunde liegenden Bibelwortes ging Bezirksapostel Stefan Pöschel zunächst auf ... "Trinitatis" ein, dem Unbedarften eher klingend wie ein ungünstiger orthopädischer Befund, aber alles andere als das seiend: Trinitatis ist - lateinisch - das sog. "Dreifaltigkeitsfest", der erste Sonntag nach dem Fest der Pfingsten und damit Auftakt für die zweite Hälfe des Kirchenjahres, das augenzwinkernd ein wenig darüber schmollt, mit so gar keinem großen Kirchenfest wie Weihnachten oder Ostern gesegnet zu sein.
Die Dreieinigkeit Gottes
Die Dreieinigkeit Gottes betonend, stellte Stefan Pöschel der Predigt eine markante Kernaussage von Paulus voran:
"Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen."
[1. Kor. 12, 4-6]
Konzil von Nicäa
Die Dreieinigkeit Gottes und deren Entfaltung in praxi, alles andere als leichte Kost für Laien und selbst theologisch Gebildete, unlängst zu Pfingsten ein Zentralthema des Gottesdienstes und wohl auch Gegenstand abendfüllender Gespräche, ist keine christliche Selbstverständlichkeit: Nach hartem Ringen um das wahre Glaubensbekenntnis der Christenheit im ersten ökumenischen Konzil der Weltkirche im Jahr 325 n. Chr., einberufen von Kaiser Konstantin I., stattfindend in Nicäa (heute Iznik in der Türkei und keinesfalls zu verwechseln mit Nizza), konnte ein Meilenstein notiert und eine Kirchenkrise gelöst werden:
Die Streitfrage um das Verhältnis von Jesus Christus zu Gott-Vater und damit der scheinbare Dissens zwischen Monotheismus und der Dreifaltigkeit.
Vor 1700 Jahren fand dieses Konzil statt - ein zeitliches Momentum, das, angeregt durch den Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) überkonfessionell erinnernd in die Christenheit getragen werden sollte. Zur "Nachlese" seien hier die Seiten 57 ff des Katechismus der Neuapostolischen Kirche anempfohlen.
Geistesgaben
Konsequent ging Bezirksapostel Pöschel sodann noch auf die "Charismen des Heiligen Geistes" ein und stellte klar, dass mit "Charisma" im theologischen Sinne weit mehr als zwischenmenschliche Ausstrahlungskraft gemeint sei, nämlich die Gesamtheit der durch den Geist Gottes bewirkten Gaben und Befähigungen des Christen in der Gemeinde.
Diese, so Pöschel, seien wesentlich. "Es ist nicht Aufgabe der späten Kirche, aus Wasser Wein zu machen!" stellte er dabei klar und machte deutlich, dass das Fördern und Finden geistdurchdrungener Gaben und Befähigungen in den Gemeinden dauerhafte Aufgabe des hier und jetzt sei.
Bunt als Farbe der Gemeinde
Der scheidende Bezirksälteste Gauert erhielt sodann noch einmal die Gelegenheit, dem gesamten Bezirk letztmals im aktiven Dienst das Wort Gottes zu verkünden. Er unterstrich dabei die Kernaussagen der Predigt, richtete warmherzige Dankesworte an die Versammelten und betonte, dass es ihm stets eine tiefe Freude gewesen sei, im Bezirk und den Gemeinden "buntes Leben" vorgefunden zu haben: Vielfalt statt Gleichförmigkeit. Womit sich der Kreis der Predigt schloss: Verschiedene Gaben, verschiedene Ämter, verschiedene Kräfte. Bunt und trotzdem eins. Ein Geheimnis gelebten Glaubens.
Sakrament und Handlungen
Bischof Michael Eberle, zuständig für den Bezirk Recklinghausen, leitete sodann mit einem letzten Predigtteil auf die Feier des Heiligen Abendmahls über, die sich sodann für die anwesende Gemeinde, aber auch die in der ewigen Welt, anschloss.
Ruhesetzung und Beauftragungen
Wie bereits angekündigt, wurden sodann im Schlussteil des Gottesdienstes und dem unentrinnbaren Lauf der Zeit geschuldet Veränderungen vollzogen:
Raimund Gauert, Bezirksältester und nahezu 40 Jahre als Amtsträger in unterschiedlichen Aufgaben für die Neuapostolische Kirche tätig, davon 18 Jahre in leitender Position, wurde nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt. Zugleich wurde er beauftragt, auch als Ruheständler noch als Seelsorger für die Kranken tätig zu bleiben - mit all den damit verbundenen Amtsvollmachten.
Mit der Nachfolge in der Bezirksleitung wurde Priester René Pläster beauftragt. René Pläster war bis dato seit 2018 Vorsteher der Gemeinde Recklinghausen-Nord und seit 2022 auch der Gemeinde Recklinghausen.
Bezirksapostel Pöschel gab ihm dabei folgendes mit auf den Weg:
- "Sei Freund der Vorsteherin und Vorsteher der Gemeinden!"
- "Sei Ansprechpartner auf Augenhöhe!"
- "Erhalte dir die Fröhlichkeit im Glauben!"
- "Bewahre dir die Glaubensgelassenheit!"
- "Stehe im unerschütterlichen Sendungsbewusstsein!"
Besonders betonte Stefan Pöschel, dass er befähigt bleiben möge, den Ruf Gottes - nicht nur auf sich, sondern insbesondere auf die Bedarfe der Gemeinden bezogen - zu hören.
Von der Leitung der beiden Recklinghäuser Gemeinden wurde René Plästger sodann entlastet: Mit der Leitung der Gemeinde Recklinghausen-Nord wurde Priesterin Ines Witt-Rachuba beauftragt - ein Novum jedenfalls im Bezirk, da die Ordination von Frauen noch recht junge Kirchenpraxis ist. Erfreulich, dass dieser Impuls inzwischen nicht nur das Diakonat bereichert, sondern Bestandteil der "vielen Ämter" wird - unter einem Geist.
Mit der Leitung der Gemeinde Recklinghausen wurde schließlich Priester Markus Henrich beauftragt, der in der Gemeinde als Diakon und Priester bereits auf eine langjährige und solide Amtserfahrung blicken darf.
Wir wünschen dem Ruheständer und den mit neuen Arbeitsfeldern Beauftragten in allem Tun (Ruheständler Raimund: Auch mal im Nichtstun!) Gottes Segen, Freude in allen Dingen und Kraft auf dem vielfältigen Acker Gottes.
Nachsatz 1 zu Großartigem
Gottesdienstüberspannend darf nicht unerwähnt bleiben, dass die musikalischen Darbietungen - Orgel- und Klaviermusik, der berauschende Klangteppich eines großartigen Chores, die gesanglichen und instrumentalen Soli, Duette, Terzette, das Männerquintett, das Dirigat von Stephan Arnold einfach nur eins waren: Eine Champagnerdusche für die Ohren, über die sich ein direkter Weg ins Herz Bahn brach. Chapeu!
Nachsatz 2 zur Bildtechnik
Aus technischen Gründen fiel, leider nicht mehr rechtzeitig zu ändern, die Hauptkamera des Redakteurs aus, so dass hilfsweise für die Fertigung der Fotos auf das Smartphone zurückgegriffen werden musste - und zum Teil auch auf Archivmaterial. Es wird um Nachsicht gebeten.
Da auf der Webseite der Gebietskirche aber noch ein zusätzlicher, separater Bericht nebst deutlich besseren Fotos erscheint, verweise ich zur zusätzlichen Lese gerne auf diese weitere Referenz.
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