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Paulus und die "Überapostel" - ein Schlaglicht auf den 2. Korintherbrief

 

Die Olympiade 2008 in Peking ist Vergangenheit, die kleinen, die großen und die sog. "Superstars", zum Teil mit zweifelhaften Erfolgen, noch in guter Erinnerung. Starke Leistungen, starke Gesten, starke Worte - nicht nur die Welt des Sports hat sie zu bieten. Die, die Eindruck machen können und zum "Star" zu taugen scheinen.

Auch Paulus hatte zu seiner Zeit mit "Überfliegern" zu tun - solchen, die scheinbar mehr Glanz verbreiteten als er, die besser reden konnten und dies auch attestiert bekamen: "Und wenn ich schon ungeschickt bin in der Rede..." schrieb Paulus den Korinthern über sich selbst (vgl. 2. Korinther 11, 6) und erkannte neidlos, dass sein Auftreten im griechischen Korinth, sicher einer Hochburg der Rhetorik und Philosophie, nicht den äußerlichen Glanz verbreitete wie das anderer, denen er - nur im 2. Korintherbrief zu finden - ein zweischneidiges Zeugnis ausstellte: "Überapostel" nennt Paulus solche (vgl. 2. Korinther 11, 5; 12, 11), ohne namentlich näher auszuführen, wen oder welche Gruppe er hier im Fokus seines Briefes hatte.

Die Wortwahl lässt erkennen, dass Paulus hier scharf, ja nahezu polemisch auftritt. Er vermerkte eindeutig eine Bedrohung des christlichen Wertebestandes, erkannte, dass "Blender" unterwegs waren, die es verstanden, sich und die eigenen Stärken zu zeigen - und Schwächen nur, wenn dies wiederum als Stärke ausgelegt werden konnte. Offensichtlich machte Paulus in Korinth so etwas wie ein religiöses Showbusiness zu schaffen, dem er begegnen wollte.

Unsere Kenntnis über die damaligen Widersacher ist dürftig. In der Rückschau ist jedoch eins klar: Sie haben keine nachhaltigen Spuren hinterlassen und sind letztlich namenlos geblieben.

Hatte Paulus Probleme mit den "Ur-Aposteln", dem alten Zwölferkreis in Jerusalem? Diese Vermutung mag im ersten Ansatz vielleicht eine Spur sein, der man folgen kann. Nur: Paulus hatte, allen Spannungen - etwa mit Petrus in Galatien - zum Trotz, mit ihnen eine gute Verbindung und völlige Übereinstimmung im Evangelium. Nicht umsonst schrieb er den Galatern: "... und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins." (vgl. Galater 2,9).

So bleibt zu vermuten, dass Paulus zu tun hatte mit einer Gruppe selbstanmaßender Lehrer, denen er entgegentrat. Denen, die "aufgeblasen und ruhmredig" daher kamen (vgl. 2. Korinther 10, 12).

Die von dieser Gruppe ausgehenden Affektiertheiten, die an den Tag gelegten Selbstdarstellungen, sah Paulus als Hindernis auf dem Weg zum unverfärbten Glauben an das Evangelium Christi.

Paulus selbst hätte dieser Versuchung, als "Star" gefeiert zu werden, durchaus nachgeben können. Die Apostelgeschichte berichtet von einer Begebenheit, bei der Paulus einen Fußkranken heilte. Das Volk, das diese Wunderheilung beobachten konnte, reagierte nahezu hysterisch und wollte Paulus und Barnabas vergöttern - und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die wenigen Verse in Apostelgeschichte 14, 8 ff. sind hier durchaus lesenswert und lassen erahnen, dass Starrummel kein Phänomen der Neuzeit ist. Paulus widerstand dem Trubel und zeigte sich in dem, was er in seinen eigenen Augen war: Ein schwacher und leidender Mensch, der sehr wohl darauf hinzuweisen wusste, was allein die Quelle seiner Glaubenskraft war: Jesus Christus - und nicht eigenes Vermögen. "Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!" schrieb Paulus daher den Römern deutlich ins Stammbuch (vgl. Römer 7, 24) und rühmte sich allenfalls seiner Schwachheit (vgl. 2. Korinther 12, 5). Er ging sogar so weit, in seinen körperlichen Gebrechen ein vorbeugendes Handeln Gottes gegen drohende Überheblichkeit zu erkennen (vgl. 2. Korinther 12, 7) - eine hohe Kunst des Von-sich-Wegweisens hin zum Leiden und der Kreuzigung Christi "in Schwachheit".

"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" offenbarte ihm der Herr (vgl. 2. Korinther 12, 9). Ja, Paulus hatte eine Schwäche: Die Liebe zu Christus. Sein Vermächtnis ist zeitlos geworden und ein wirkmächtiges Signal der Gotteskraft im Schwachen. Die schnell vergessenen "Superstars" bezeugen letztlich die Richtigkeit seiner Haltung, die Vorbild für uns sein muss. Nicht unsere Stärken, die uns Gott in unterschiedlicher Ausprägung mit in das Leben gegeben hat, verdienen Ruhm, sondern allein Jesus Christus, der auch eine Schwäche hatte: Die Liebe zu uns.

25. August 2008
Text: Andreas Hebestreit

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