Unser Bezirksältester Raimund Gauert wird am Sonntag, den 15.06.2025 in den kirchlichen Ruhestand treten. Ein besonderer Anlass, den die Internetredaktion gerne genutzt hat, um mit ihm ein Interview zu führen.
Red.: Lieber Raimund, wir wissen, dass du von klein auf neuapostolisch bist, aber was war deine Heimatgemeinde?
R.G.: Ich bin in Gelsenkirchen geboren worden. Im Alter von 3 ½ Jahren sind wir mit der Familie nach Erle (gegenüber dem Parkstadion) gezogen. In dieser Gemeinde habe ich dann meine Kindheit verbracht und sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit. Und ja, natürlich blau-weiß (Anm. d. Red: Gemeint ist der FC Schalke 04)
Red.: Gibt es jemand, der dich besonders geprägt hat?
R.G.: Meine Eltern haben mich entscheidend geprägt. Diese gute Mischung aus Liebe, Gradlinigkeit, Vertrauen und Liberalität bewundere ich noch heute.
Red.: Kennst du noch deinen „Konfirmationsspruch“?
R.G.: Ja, „Wohl dem Volk, des Gott der Herr ist. Dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat“. Aber frag mich nicht wo es steht, dass müsste ich googlen. (Anm. d.Red: s. Psalm 33, V. 12)
Red.: Wie hast du dann später deine Frau Heike kennengelernt?
R.G.: Ich saß in der Gemeinde „links außen“ im Chor, als vor dem Gottesdienst die Ehrengäste für eine Silberhochzeit nach vorne gingen, um die reservierten Plätze einzunehmen. Und da sah ich sie. Es war so ein „Magic Moment“ und irgendwie war mir klar: Das ist sie! Ich wusste weder den Namen noch den Wohnort noch sonst irgendwas von ihr. Aber mir war klar, die muss ich irgendwie kennen lernen. Aktuell sind wir 43 Jahre verheiratet.
Red.: Welchen Beruf hast du erlernt, und was waren deine beruflichen Stationen?
R.G.: Als Beruf habe ich zunächst Offsetdrucker gelernt, in dem ich auch mit Unterbrechung durch den Dienst bei der Bundeswehr sieben Jahre gearbeitet habe. Dann kam eine Weiterbildung zum Zeitungsdrucker. Auch diese Tätigkeit habe ich dann sieben Jahre gemacht. Während dieser Zeit habe ich auf der Abendschule den Abschluss als Industriemeister Druck gemacht und bin dann in den Vertrieb gegangen. Dort war ich dann wieder die berühmten sieben Jahre, bevor ich zu meinem letzten Arbeitgeber wechselte. Dort habe ich dann den Außendienst bis zu meinem Ruhestand geleitet.
Red.: Du bist ja nicht von Beginn an Bezirksältester gewesen. Wann und für welche Gemeinde hast du deinen ersten Amtsauftrag empfangen?
R.G.: Vor fast 40 Jahren wurde ich Unterdiakon für die Gemeinde Herten.
Red.: Und welche Funktionen hast du danach im Lauf deiner Tätigkeit wahrgenommen?
R.G.: In der Gemeinde Herten war ich Sonntagschulhelfer, stellvertretender Jugendleiter, später Jugendleiter und dann Vorsteher. Danach wurde ich Vorsteher für die Gemeinde Recklinghausen-Nord und später dann Bezirksältester für den Bezirk Recklinghausen. Gefühlt waren irgendwie alle Funktionen dabei (lacht).
Red.: Gab es für dich so etwas wie das „schönste Amt“?
R.G.: Tatsächlich würde ich sagen, dass Diakon bei der Jugend mit eine der schönsten Aufgaben war.
Red.: Hattest du einmal ein ganz besonderes Glaubenserlebnis?
R.G.: Glaubenserlebnisse sind ja immer sehr individuell und darüber könnte ich ein Buch schreiben. Ich beschränke mich einmal auf das letzte schöne Erlebnis. An unserem Wohnmobil entdeckte ich eines Abends eine dicke Schramme, die am Morgen noch nicht vorhanden war. Meine Hoffnung, im Postkasten eine Info über den Verursacher zu finden, zerschlug sich relativ schnell. Auch am nächsten Tag gab es keine Nachricht. Beim Begutachten des Schadens fragte mich meine Nachbarin, was ich denn dort untersuchen würde und ich zeigte ihr den entstandenen Schaden. Schnell war für sie klar, dass sich keiner freiwillig zu dem Vorfall melden würde. Zum Schluss ihrer Ausführungen kam noch die rhetorische Frage: „Oder glaubst Du noch an das Christkind?“. Nach kurzem Überlegen sagte ich ihr: „Ja, ich glaube noch an das Christkind“. 10 Minuten später stand der Verursacher vor unserer Haustür, entschuldigte sich und berichtet von dem Sturz mit dem Fahrrad, was dann zu dem Schaden geführt hatte. Schnell wurde der Versicherung alles mitgeteilt und wir erhielten die Kostenzusage für die Reparatur.
Red.: Beruflich bist du ja bereits im Ruhestand. Was hast du vor, wenn du auch kirchlich in den Ruhestand trittst (übrigens nach sieben Jahren als Bezirksältester)?
R.G.: Meine Frau und ich freuen uns sehr darauf, mehr Zeit für die Kinder und Enkelkinder zu haben und wir haben das Reisen für uns entdeckt.
Red.: Wird es auch kirchliche Aufgaben geben, die du weiter ausführen wirst?
R.G.: Letztendlich stehe ich, wenn wir nicht verreist sind, für alles zur Verfügung.
Red.: Hattest du eine Art „Lebens- oder Glaubensmotto“ für dich?
R.G. Mein Motto war in den jeweiligen Lebensphasen unterschiedlich, von daher habe ich mehrere. Zwei möchte ich hier nennen:
- Tue das was du glaubst und glaub an das was du tust.
- Mit Gott geht alles!
Red.: Was ist für dich das Besondere am Bezirk Recklinghausen?
R.G.: Das Besondere für mich ist, dass ich dazugehören darf und mich hier einfach nur wohlfühle. Wohlwissend, dass es eine Zeit geben wird, in der Bezirksgrenzen vielleicht nicht mehr wie heute existieren werden.
Red.: In welcher Gemeinde wirst du nach deinem Ruhestand die Gottesdienste besuchen?
R.G. Ich werde in die Gemeinde gehen, in die auch meine Frau und ein Großteil meiner Kinder und Enkelkinder geht, das ist Recklinghausen Nord.
Red.: Hast du einen besonderen Rat oder Wunsch für deinen Nachfolger?
R.G.: Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen (Psalm 37,5)
Lieber Raimund, lieber Bezirksältester, herzlichen Dank, dass du uns diese persönlichen Einblicke gewährt hast. Dazu ein sehr besonderer Dank der Internetredaktion für deine jederzeit tatkräftige Unterstützung bei dieser Arbeit.
2. Juni 2025
Text:
St. H.
Fotos:
Simon Skrzypczak
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