Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi und damit nach christlichem Glauben das Fest der Menschwerdung Gottes in seinem Sohn. Hauptfesttag ist der 25. Dezember, dessen Feierlichkeiten mit Sonnenuntergang am Vorabend, am „Heiligabend“ (auch „Heilige Nacht“, „Christnacht“, 24. Dezember), beginnen. Er ist in vielen Staaten ein gesetzlicher Feiertag und Auftakt der Weihnachtsferien; in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern kommt als 2. Weihnachtstag der 26. Dezember hinzu, so heißt es sinngemäß in einem Lexikon zu diesem großen Fest der Christenheit.
Dass das Weihnachtsfest neben dem Oster- und Pfingstfest zu den drei Hauptfesten der Christenheit zählt, bedarf keiner weiteren Erwähnung - und jeder halbwegs im christlich geprägten Leben Stehende wird wissen, welche Inhalte das Weihnachtsfest eigentlich anfüllen sollten.
Eigentlich, denn auch andere Faktoren prägen die Weihnachtszeit und führen häufig vom wirklichen Kern weg. Profanisierung, Kommerzialisierung, Hektik und Streß sind wohl niemandem fremd, der auf das Weihnachtsfest mit seiner nahezu unentrinnbaren Eigendynamik zusteuert. Dass z. B. die Spielwarenindustrie in den Monaten November und Dezember etwa 40 Prozent ihres Jahresumsatzes erwirtschaftet, kommt hier nicht von ungefähr.
Unabhängig davon hat die Weihnachtszeit aber auch positive Auswirkungen auf andere Bereiche: Insbesondere in der Kunst ist die Reflektion der Weihnacht allgegenwärtig. Gemälde, Ikonen, Lieder, Oratorien, die Literatur und letztlich auch die Unterhaltungsmusik greifen weihnachtliche Motive und Gedanken auf, machen sie zum Inhalt eines Kunst- oder auch nur Machwerks.
Es ist interessant zu erfahren, welche Gedanken bekannte und auch weniger bekannte Zeitgenossen mit dem Begriff "Weihnachten" verbinden. Daher sei ein kleiner Ausflug in die Welt der Aphorismen gestattet, bei dem folgende Zitate eingefangen werden konnten:
Weihnachten
Weihnachten für Weihnachten
singen wir von Frieden und Freude auf Erden.
Um dann die restliche Zeit des Jahres zu verstummen?
Helga Schäferling, (*1957), deutsche Sozialpädagogin
Früher hieß die Zeit vor Weihnachten Advent. Heute heißt sie »Meditative Dynamik« und diese Zeit dauert vom Sommerschlußverkauf bis zum ersten Werktag nach Weihnachten, an dem ein Umtausch von Geschenken möglich ist…
Markus Romer, St. Gallen/Schweiz
Die meisten Menschen bringen so das ganze Leben hin, dass sie sich von Pfingsten nach Weihnachten und von Weihnachten wieder nach Pfingsten sehnen.
Theodor Fontane, (1819 - 1898), deutscher Journalist, Erzähler und Theaterkritiker
Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.
Kurt Tucholsky, (1890 - 1935 Freitod), Pseudonyme Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, deutscher Schriftsteller und Journalist, Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift »Die Schaubühne«
Ein gutes Gewissen ist ein ständiges Weihnachten.
Benjamin Franklin, (1706 - 1790), US-amerikanischer Politiker, Naturwissenschaftler, Erfinder und Schriftsteller
Gott macht auf Weihnachten mit uns gemeinsame Sache.
Karl Barth, (1886 - 1968), Schweizer reformierter Theologe, Hauptvertreter der dialektischen Theologie
Weihnachten offenbart die Temperaturen im Umgang der Menschen untereinander.
Karl Lehmann, (*1936), deutscher katholischer Theologe, Bischof von Mainz, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Weihnachten - Es war immer mein schönstes Fest.
Theodor Storm, (1817 - 1888), eigentlich Hans Theodor Woldsen, deutscher Jurist, Dichter und Novellist
Wie sich die Knospen des Barbarazweiges bis Weihnachten öffnen, so soll sich auch der Mensch dem kommenden Licht auftun.
Johann Georg Fischer, (1816 - 1897), deutscher Lyriker und Dramatiker
Weihnachten soll dieses Jahr ausfallen, weil "Friede auf Erden" die Quotenerwartungen nicht erfüllt...
© Wolfgang J. Reus, (1959 - 2006), deutscher Journalist, Satiriker, Aphoristiker und Lyriker
Weihnachten: Licht.
Wir kommen von der Schattenseite des Lebens in das helle Licht der Ewigkeit. Wir werden nicht hinters Licht geführt, sondern mitten ins Licht hinein. Ohne Weihnachten wäre unser Herz eine finstere Sorgenkammer ohne Trost, die Weltgeschichte ein Irrgarten ohne Mittelpunkt. Jesus kommt in unsere Nacht, damit wir in sein Licht kommen können. Nicht das Zwielicht von Neon und Mattscheibe, sondern die Positionslampe aus der Ewigkeit macht unser Leben hell. So kann aus Zwietracht Frieden werden.
Wer sein Herz an Jesus verliert, der hat das Leben gewonnen. Er ist heil geworden. Wer zur Krippe geht, kehrt als Beschenkter zurück. Er ist angesteckt, damit der Glaube nicht mehr auf Sparflamme brennt.
Unbekannt
Die Gans zum Pfarrer: "Herr Pfarrer, bitte sagen sie mir die Wahrheit; gibt es ein Leben nach Weihnachten?"
Unbekannt
Wenn einer dem anderen Liebe schenkt,
wenn die Not des Unglücklichen gemildert wird,
wenn Herzen zufrieden und glücklich sind,
steigt Gott herab vom Himmel
und bringt das Licht:
Dann ist Weihnachten.
Quelle : Weihnachtslied aus Haiti
Weihnachten:
nicht nur eine schöne Erinnerung an ferne Vergangenheit, sondern ein Geschehen, das weitergeht. Die Liebe soll auch heute Hand und Fuß bekommen und die Wärme eines Herzens in uns Menschen von heute: Mach’s wie Gott, werde Mensch!
Phil Bosmans, (*1922), belgischer Ordenspriester
Es wird Weihnachten!
Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen – versteht sich nach Mutters Rezept -, und ich sitze sozusagen schon seit Wochen im Scheine des Tannenbaums. Ja, wie ich den Nagel meines Daumens besehe, so ist auch der schon halbweg vergoldet.
Theodor Storm, (1817 - 1888), eigentlich Hans Theodor Woldsen, deutscher Jurist, Dichter und Novellist
Gute Weihnacht!? Manchmal denke ich, dass all die Glückwünsche, guten Worte, gute Gedanken, guten Taten und Aktionen an Weihnachten über das Schlechte des vergangenen Jahres hinwegtäuschen sollen. Darum lieber ein wenig weniger im Dezember und dafür etwas mehr zwischen Januar und November.
Stefan Wittlin, (*1961), Schweiz
Weihnachten heisst:
Er ist gekommen.
ER hat die Nacht hell gemacht.
ER hat die Nacht unserer Finsternis,
unserer Unbegreiflichkeiten,
die grausame Nacht unserer Ängste
und Hoffnungslosigkeiten
zur Weihnacht,
zur heiligen Nacht gemacht.
Gott hat
sein letztes, sein tiefstes,
sein schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort
in die Welt hineingesagt.
Und dieses Wort heisst:
Ich liebe dich,
du Welt und du Mensch.
Ja, zündet Kerzen an.
Sie haben mehr recht als alle Finsternis.
Karl Rahner (1904 - 1984), bahnbrechender Protagonist der Freiheit in der Theologie
24. Dezember 2007
Text:
Andreas Hebestreit
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