1. Startseite /
  2. Wenn der Mond am Sonntag Vormittag aufgeht...
Neuapostolische Kirche Logo

Neuapostolische Kirche

Bezirk Recklinghausen

  • Gemeindesuche 
  • Kontakt 
  • Suche 
  • Menü  Menü 
Bezirk Gemeinden Gemeinschaft Glaube
  • Bezirk
    • Ansprechpartner
    • Aktuelles
    • Termine
    • Traueranzeigen
    • Organisation
  • Gemeinden
    • Haltern am See
    • Herten
    • Marl-Brassert
    • Marl-Mitte
    • Oer-Erkenschwick
    • Recklinghausen
    • Recklinghausen-Nord
    • Herten-Westerholt
  • Gemeinschaft
    • Singles
    • Familien
    • Ökumene
    • Musik
    • Kinder
    • Jugend
    • Senioren
    • Inklusion
  • Glaube
    • Katechismus
    • Bekenntnis
    • Apostelamt
    • Sakramente
    • Gottesdienst

Wenn der Mond am Sonntag Vormittag aufgeht...

 

An einem Sonntag Vormittag das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ im Rahmen eines Festgottesdienstes der Neuapostolischen Kirche erklingen zu hören, mag ungewöhnlich erscheinen und dürfte in der Tat der Sparte „musikalische Raritäten“ zugeordnet werden, soweit sich der Vortrag auf den gottesdienstlichen Rahmen bezieht.

Gleichwohl war der Chorvortrag am Sonntag, der lediglich aus der ersten und fünften Strophe zitierte, keineswegs ein Produkt des Zufalls oder einer Marotte des Dirigenten: Das vertonte Gedicht von Matthias Claudius zählt, so wurde es denn dann auch mitgeteilt, zu den Lieblingsliedern des in den Ruhestand gehenden Bezirksältesten. Darüber hinaus ist es keineswegs nur ein schlichtes Volkslied, auf das das Gedicht leider viel zu häufig reduziert wird: Es handelt sich vielmehr um ein klassisches geistliches Lied, das z. B. auch im evangelischen Gesangbuch seinen Platz gefunden hat.

 

Schauen wir ein wenig genauer hin:

 

Bei dem Werk handelt es sich wohl um das berühmteste Lied aus Hamburg, obwohl den Verfasser heute nicht mehr jeder kennt: Matthias Claudius (1740-1815), der Herausgeber des sog. "Wandsbecker Bothen", arbeitete als freier Journalist und Dichter in Hamburg.

 

Claudius hatte häufig Geldprobleme, da er Stellungen kündigte oder gekündigt wurde, wenn er sich nicht in Hierarchien einpassen wollte. Glücklicherweise wurde er 1788 vom dänischen Kronprinzen zum Revisor der "Schleswig Holsteinischen Bank von Altona" ernannt und war so seine Geldsorgen auf Dauer los.

 

Seine letzten Lebensmonate verbrachte Matthias Claudius im Hause seines Schwiegersohnes Friedrich Perthes, Gründer des gleichnamigen Verlages, am Hamburger Jungfernstieg, wo er auch verstarb. Er ist zusammen mit seiner Frau Rebecca auf dem Friedhof der Wandsbeker Christuskirche begraben.

 

Der eigentliche Titel des Gedichtes, allgemein bekannt unter dem Titel „Der Mond ist aufgegangen“, lautet schlicht: "Abendlied". Die Melodie vertonte Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800). Von den insgesamt sieben Strophen werden heute meist nur die Strophen 1-3 und 7 gesungen.

 

Der Mond ist aufgegangen,

Die goldnen Sternlein prangen

Am Himmel hell und klar;

Der Wald steht schwarz und schweiget,

Und aus den Wiesen steiget

Der weiße Nebel wunderbar.

 

Was auffällt, ist die melancholische und düstere Stimmung, die Claudius in den ersten beiden Strophen erzeugt. Zischende Lautmalereien wie „schwarz“ und „schweiget“ tragen nicht wenig zu dieser Stimmung bei.

 

In der ersten Strophe schildert Claudius den Beginn der Nacht und das „Erwachen“ der Sterne, das Erscheinen des Mondes, auch die Dunkelheit, die (zwangsläufig) in der Nacht vorherrscht, stellt er mittels eindrucksvoller Metaphern dar. Er nimmt die Stimmung des „schwarzen“ Waldes als Symbol für Ruhe, der Tag ergibt sich der Nacht und bettet sich zur Ruhe.

 

Dass sich weißer Nebel aus den Wiesen erhebt, steuert auch seinen Teil zur nächtlichen Stimmung bei. Die 2. Strophe, die wie die anderen 6 Strophen in 4-hebigen Jamben geschrieben worden ist, baut diese in der 1. Strophe erzeugte Gemütsverfassung weiter aus, d.h. er steigert sie, und mit einem sanften Übergang gleitet er in seinem Schreiben in die nächste gefühlsbetonte „Laune“:

 

Wie ist die Welt so stille,

Und in der Dämmrung Hülle

So traulich und so hold!

Als eine stille Kammer,

Wo ihr des Tages Jammer

Verschlafen und vergessen sollt.

 

 

In der 3. Strophe beginnt Claudius mit einer Frage, ob die, an die er sich mit seinem Abendlied wendet, auch den Mond sehen können. Und obwohl nur Halbmond zu herrschen scheint, sieht und beschreibt er dennoch die ganze Pracht des Mondes, wie er Licht in die Dunkelheit der Nacht bringt - trotz des Halbmonds.

 

Seht ihr den Mond dort stehen?

Er ist nur halb zu sehen,

Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen,

Die wir getrost belachen,

Weil unsre Augen sie nicht sehn.

 

Möglicherweise ist das wieder eine von vielen Metaphern, vielleicht ein Beschreiben von Gott, der da ist, auch wenn er nicht da zu sein scheint, vielleicht auch ein Beschreiben der Begrenztheit menschlichen Erkenntnisvermögens. Vielleicht ist es auf eine Aufforderung an seine Leser bzw. Hörer, auch in schwerster Stunde nie an Gott zu zweifeln zu beginnen.

 

Die 4. Strophe von Claudius‘ Werk führt diese Gedanken letztlich noch einmal in verdeutlichter, und vor allem in nicht so verschwommener Form fort:

 

Wir stolze Menschenkinder

Sind eitel arme Sünder

Und wissen gar nicht viel;

Wir spinnen Luftgespinste

Und suchen viele Künste

Und kommen weiter von dem Ziel.

 

Dies mag Folgendes bedeuten: Wir unwissenden Menschen träumen zuviel und kommen vom eigentlichen Hauptziel unseres Lebens ab. Das ist kurz und bündig die Kernaussage dieses Abschnittes.Die dann folgende 5. Strophe klingt wie eine etwas merkwürdige Bitte an Gott:

 

Gott,laß uns dein Heil schauen,

Auf nichts Vergänglichs trauen,

Nicht Eitelkeit uns freun!

Laß uns einfältig werden

Und vor dir hier auf Erden

Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

 

Anfänglich beginnt sie eigentlich nicht so abnormal: „Lass uns dein Heil (deine Herrlichkeit) schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun!“ Es folgt dann der bereits erwähnte, etwas merkwürdige Teil dieser Strophe. Er bittet Gott darum „einfältig“ zu werden. Eine bemerkenswerte Bitte, beleuchtet man bei den vielen Bitten, die zu Gott getragen werden, die Schwerpunkte, die man häufig selbst setzt. „Einfalt“ wird wohl selten dazu gehören, macht hier aber die besonders demütige Herzenseinstellung von Claudius zu Gott gegenüber prägnant deutlich.

 

In der 6. Strophe bittet er den Herrn um Erlösung durch einen sanften Tod; das Gedicht wird zur Bitte um Befreiung.

 

Wollst endlich sonder Grämen

Aus dieser Welt uns nehmen

Durch einen sanften Tod!

Und, wenn du uns genommen,

Laß uns in Himmel kommen,

Du unser Herr und unser Gott!

 

Um diesen Teil und Claudius‘ Seelenzustand verstehen zu können, muss man die Biographie des Autors kennen, die hier entscheidend mitprägt. Daher sei eine Ergänzung zu den eingangs dargelegten biographischen Daten gestattet.

 

Tod und Geburt waren Matthias Claudius, der elf Kinder hatte, gewohnte Begleiter. 1751 starben drei Geschwister innerhalb eines Jahres, sein Bruder Josias während des Studiums in Jena 1760, 1766 die Schwester Dorothea Christine, 1773 der Vater, 1772 - sieben Monate nach seiner Hochzeit mit der achtzehnjährigen Anna Rebecca Behn - das nur wenige Stunden alte erste Kind.1780 stirbt Claudius' Mutter, 1788 im Alter von zwei Jahren der zweite Sohn Matthias, 1796 die Tochter Christiane Marie Auguste. Nach Beendigung des Studiums trat er jedoch kein Amt an, sondern lebte und dichtete im Haus seines Vaters, bis ihm 1770 die Redakteursstelle bei der Hamburger Volkszeitung "Der Wandsbeker Bote", bei der auch Klopstock, Lessing und Herder mitarbeiteten, angeboten wurde. In dieser Zeitung erschienen ab 1775 Claudius‘ eigene Werke. Unter dem Eindruck des Todes seines Bruders wandte er sich dort mehr und mehr religiösen und ethischen Themen zu. Claudius‘ Lyrik blieb stets volksliedhaft einfach, ist vielfach volkstümlich geworden ("Der Mond ist aufgegangen", "Der Tod und das Mädchen") und widersetzte sich allen literarischen Moden seiner Zeit. Einige Gedichte wurden von Schubert vertont.

 

In der letzten und 7. Strophe des Gedichtes fordert der Schöpfer dieses Werks seine „Brüder“ auf, sich niederzulegen. Gott wird jetzt eindringlich gebeten, sie zu verschonen und sie ruhig schlafen zu lassen. Die fundamentale Aussage besteht aus 2 Teilen: Der gläubige Mensch fühlt sich - trotz der drohenden Nacht - in Gott geborgen. Er denkt auch an den kranken Nachbarn, das heißt, er denk an seine Mitmenschen generell.

 

So legt euch denn, ihr Brüder,

In Gottes Namen nieder;

Kalt ist der Abendhauch.

Verschon uns, Gott! mit Strafen,

Und laß uns ruhig schlafen!

Und unsern kranken Nachbar auch!

 

Dieses „Abendlied“ ist ein schonungsloses und trostreiches Gedicht. Es konfrontiert Leser bzw. Zuhörer mit der Unausweichlichkeit des Todes und macht gleichzeitig empfänglich für die Hoffnung, in Gott Geborgenheit und Ruhe zu finden.

 

Das Werk ist vor den oben geschilderten Hintergründen klar der religiösen Dichtung zuzuordnen. Dennoch enthält es auch volkstümliche Elemente, auf die es aber keineswegs reduziert werden sollte. Wie die meisten Abendlieder beginnt es mit einem „Natureingang“. An ihn schlossen sich „erbauliche“ Fortsetzungen an, in denen die Reflexion überwiegt. Angestrebt ist eine kindlich-naive Sicht der Welt, die sich zum Beispiel durch das Wort „Sternlein“ zeigt.

 

Wohl gerade der ersten Strophe verdankt das Gedicht seine Berühmtheit. Gottfried Keller nennt das „Abendlied" einen „Wegweiser in die ewige Heimat" und betont damit die metaphysische Tendenz. Das populäre Verständnis dieses Liedes ging leider andere Wege als der von Claudius beabsichtigte Jenseitsbezug. Überwiegend empfand man das Lied als die Schilderung einer Idylle.

 

Genauere Lektüre des Textes lässt jedoch Zweifel an dieser Idyllik aufkommen, denn der kalte Abendhauch verweist auf das Leiden in der Welt. Krankheit und Tod sind Grunderfahrungen des Menschen. Das „Abendlied", so ließe sich auch deuten, sei eher ein Todesgedicht, allerdings vor dem Hintergrund der Heilserwartung eines gläubigen Christen.

 

In der Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz („Lieder im Volkston", 1790) sicherte sich das „Abendlied“ einen festen Platz im deutschen Liedrepertoire. Insgesamt gibt es mehr als 70 Vertonungen, darunter von Michael Haydn, Johann Friedrich Reichardt und Max Reger. In Kirchengesangbüchern fand es sich bis weit ins 20. Jahrhundert meist mit der Melodie Nun ruhen alle Wälder (Innsbruck, ich muss dich lassen, von Heinrich Isaac).

10. Oktober 2007
Text: Andreas Hebestreit

 Via Facebook teilen
 Via WhatsApp teilen
 Via E-Mail teilen
PDF-Version

 
  •  facebook
  •  Youtube
  •  Instagram

Impressum

Datenschutzeinstellungen

Interessante Links

  • Neuapostolische Kirche Westdeutschland
  • Neuapostolische Kirche International

© 2026 Bezirk Recklinghausen

Datenschutzeinstellungen

Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.

Einstellungen/Ablehnen

Datenschutzeinstellungen

Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.

Einstellungen

Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.

Alle ablehnen Auswahl speichern