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Erste Priesterin für Recklinghausen

 

Seit dem 09.05.2024 hat unser Bezirk Recklinghausen eine Priesterin.

Am Himmelfahrtstag ordinierte Apostel Denker in Herten-Westerholt die bisherige Diakonin Ines Witt-Rachuba zur Priesterin für die Gemeinde Recklinghausen-Nord.

Damit ist sie die Erste in diesem Amtsauftrag im Bezirk Recklinghausen.

Die Redaktion hat anlässlich ihrer Ordination mit ihr ein Interview geführt.

 

S.H.     Liebe Ines, herzliche Glück- und Segenswünsche zu deiner Ordination in das Priesterinnenamt. Bitte stell dich doch einmal unseren Geschwistern vor.

 

I. W-R    Ich heiße Ines Witt-Rachuba und bin im Jahr 1973 in Elsterwerda geboren. Aufgewachsen bin ich in Tröbitz, einer kleinen Gemeinde in Brandenburg. 1987 wurde ich in der Gemeinde Uebigau  (das war damals die dortige „Hauptgemeinde“ im Apostelbezirk Sachsen-Anhalt) konfirmiert.

Seit 2016 bin ich verheiratet und lebe seit 2015 in der Gemeinde Recklinghausen-Nord. Von Beruf bin ich Steuerberaterin. Meine Hobbys (für die ich leider viel zu wenig Zeit habe) sind Musik, Lesen und noch mehr...

Am 23.04.2023 wurde ich zur Diakonin für meine Gemeinde ordiniert und jetzt am 09.05.2024 zur Priesterin.

 

S.H.   Was hat sich rückblickend durch deine Ordination zur Diakonin für dich verändert?

 

I. W-R    Mein Leben hat sich insofern verändert, dass ich seitdem noch viel bewusster und intensiver die Inhalte der Gottesdienste aufgenommen habe und mich gründlich mit unserer Lehre, mit theologischen Inhalten und der Bibel beschäftigt habe. Ich habe versucht, mir intensiv anzueignen, was ich für die Ausübung des Amtes benötigte. Das waren viel Seminare, Literatur, Gespräche rund um Themen wie Seelsorge, Vertiefung von Bibelkenntnissen, Vorbereitung von Predigtinhalten, Austausch mit anderen Amtsträgern (oder Amtsträgerinnen) etc. Kurze Zeit danach begann ich auch mit der seelsorgerischen Betreuung von Geschwistern – hauptsächlich Schwestern. Ich versuche noch viel bewusster im Alltag meinen Glauben zu leben, zu kommunizieren und mein Gebetsleben ist viel intensiver geworden.


S.H.   Was, glaubst du, wird sich durch deinen neuen Amtsauftrag als Priesterin nun ändern?

 

I. W-R    Ich habe schon in den letzten Wochen und Monaten vermehrt gespürt, dass ich gern als Ansprechpartnerin in Seelsorgeangelegenheiten genutzt werde. Das wird sich noch intensivieren und ich sehe meine Aufgabe hauptsächlich darin.

Gerade Geschwister, die besonderen Lebensbelastungen ausgesetzt sind, allein sind oder nicht mehr die Gottesdienste besuchen können benötigen die wohltuende Zuwendung und Nächstenliebe. Manche erleben in zunehmenden Alter auch das Gefühl des Alleinseins. Da möchte ich mich bemühen, Kontakte zur Gemeinde zu stärken, wieder zu beleben und so dies nicht mehr so möglich ist, regelmäßige Gespräche und Besuche durchzuführen, um so das Gefühl der Gemeinschaft erleben zu lassen. Möglicherweise finden Themen, die eher unsere Schwestern bewegen, nun eine Ansprechpartnerin, die für diese Themen ein anderes - mehr frauenbezogenes - Verständnis hat.

Ich möchte auch Gedanken und Impulse im Austausch innerhalb des Ämterkreises teilen, um Gemeindearbeit voranzubringen, die Gemeinde und letzten Endes auch den Bezirk zu beleben, Kirche zu einem Zufluchtsort, zu einem „zu Hause“, zu einem Wohlfühlort zu machen, wo man gern ist, wo man gern hingeht, wo man gern bleibt. Wo man auch gern sein Umfeld hin einlädt und für unseren Glauben, unser Ziel begeistern kann. Schlichtweg unser aller Zukunft mitzugestalten.

 

S.H.  Wie hast du die Reaktion der Geschwistern auf eine weibliche Amtsträgerin erlebt? Was war besonders schön/nicht so schön oder auch überraschend?

 

I. W-R    Ich habe durchweg und ausschließlich positive Reaktionen erlebt. Etliche haben ausgedrückt, dass damit der Wunsch nach mehr weiblicher Beteiligung im Ämterkreis in Erfüllung geht und diese Entwicklung lange herbeigesehnt wurde.
Die Empathie hat aus meiner Sicht jedoch nicht hauptsächlich damit zu tun, dass wir nun weibliche Amtsträger haben. Die zuvor gelebte Zuwendung zu jedermann lässt sich für mich in den auch mir zugewendeten Herzen spüren.


S.H. Wie hast du bislang die Zusammenarbeit im Kreis der überwiegend männlichen Amsträger erlebt?

 

I. W-R    In meinem Umfeld habe ich ausschließlich und von Anfang an eine sehr wohlwollende und wertschätzende Zusammenarbeit erlebt.

 

S.H. Wenn dich Schwestern fragen, ob sie einen Amtsauftrag annehmen sollen, was würdest du Ihnen raten?

 

I. W-R    Ich möchte jeden ermutigen – nicht nur Schwestern – sich mit seinen Gaben und Fähigkeiten mutig, mit viel Gottvertrauen aber auch Demut und aus Liebe – in die Arbeit in der Gemeinde einzubringen.

Auch wenn man die eigenen Gaben und Fähigkeiten für sich selbst eher klein und gering einschätzt, kann Gott daraus etwas ganz Großartiges entwickeln. Diesen Mut und diese Erfahrung wünsche ich jedem.

Die Erfahrung des besonderen Beistandes Gottes und seinen Segen, der auf dieser Arbeit ruht, ist ein Schatz im Leben, der nicht mit alltäglichen Freuden aufgewogen werden kann.

 

S.H. Bislang hast du dich besonders in die Kinderarbeit und deren musikalische Unterstützung eingebracht. Wird das weiter so bleiben oder wirst du neue Aufgaben übernehmen?

 

I. W-R    Das ist eine gute Frage, die ich im Moment noch gar nicht abschließend beantworten kann und möchte. Sofern es sich mit den neuen Aufgaben in der Gemeinde zeitlich vereinbaren lässt, werde ich fallweise in der Kinderarbeit noch gern unterstützen, denn die Kinder liegen mir nach wie vor am Herzen.

 

S.H.  Liebe Ines, ein herzliches Dankeschön für deine Bereitschaft, uns für`s Interview zur Verfügung zu stehen. Wir wünschen dir viel Freude und Segen in deinem neuen Amt und ... immer genug Zeit für deine Hobbys.

14. Mai 2024
Text: St. H.
Fotos: St. H.

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