Eigentlich war der Besuch schon für den 2. April 2020 geplant. Doch Corona – wen wundert es – machte die Erfüllung dieses wahrhaft frommen Wunsches zunichte. Umso größer ist die Freude, dass der angekündigte Besuch des Apostels nun am 23. August 2020 erfolgt.
Ein besonderes Gepräge erlangt der Besuch dadurch, dass der Apostel in dem Gottesdienst fünf Erwachsenen und einem Kind das Sakrament der Heiligen Versiegelung spenden wird.
Der Gemeindevorsteher, Hirte Gottfried Röstel, beantwortet dazu einige Fragen:
Was bedeutet der Besuch des Apostels für die Gemeinde?
Das Wort „Apostel“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet im Neuen Testament „Gesandter“. Apostel sind also Gesandte Jesu Christi. Sie sollen seine Zeugen sein und heilsverlangenden Menschen Erlösung zugänglich machen. Unsere Kirche wird darum auch von Aposteln geleitet. Wenn dieser Gesandte Jesu nun mit der Gemeinde Gottesdienst feiert, ist das zum einen ein Ausdruck von Wertschätzung, zum anderen glauben wir, dass die Wortverkündigung im Gottesdienst durch den Apostel in absoluter Vollmacht geschieht. Durch Inspiration des Heiligen Geistes direkt von der Quelle. Die Apostel beziehen ihre Vollmacht aus dem Sendungsauftrag Jesu (vgl. Matthäus 28, 19.20).
Was heißt das konkret für die Gemeinde Recklinghausen?
Wir leben in einer besonderen Situation, die in dieser Form bislang niemand von uns erfahren hat. Die Gläubigen suchen Antworten auf Fragen und sie möchten in der Predigt des Apostels die tröstlichen Worte Jesu „… ich bin bei euch…“ aus dem angesprochenen Sendungsauftrag erleben. Letztlich geht es bei allen Schwierigkeiten, die wir im Augenblick zu bewältigen haben darum, das Heil für unsere Seele zu schaffen. Gottesdienst und Gemeinschaft mit dem Apostel sind dafür ein wichtiger Meilenstein.
Mit welchen Schwierigkeiten ist im Hinblick auf den anstehenden Festgottesdienst zu rechnen?
Die größte Schwierigkeit ist das Platzproblem. In Zeiten vor Corona war unsere Kirche bei einem Festgottesdienst, wie wir ihn jetzt erwarten, meist bis auf den letzten Platz besetzt. Das funktioniert dieses Mal natürlich nicht. Zunächst mussten die üblichen Einladungen an die Vorsteher der benachbarten Gemeinden unterbleiben. Ich bin dankbar, dass sie für diese Maßnahme sofort vollstes Verständnis haben.
Um einen Überblick zu erhalten haben wir unsere Gemeindemitglieder gebeten, sich anzumelden. Das ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber wir gehen davon aus, dass eine große Anzahl von älteren und insbesondere kranken Gemeindemitgliedern zu Hause bleiben und den Gottesdienst am Telefon verfolgen wird. Uns hilft auch, dass die Kirchenleitung ihre Richtlinie Anfang d.M. weiter gelockert hat. So können Familien, befreundete Gemeindemitglieder usw. nun ohne Abstand einhalten zu müssen, beieinandersitzen. Ansonsten machen wir das, was wir als gläubige Christen am besten können: Beten und auf Gott vertrauen. Ansonsten müssen wir eine Auswahl treffen und im schlimmsten Fall Gemeindemitglieder bitten, zu Hause zu bleiben – das mag Gott verhüten…
Heilige Versiegelung, wodurch ja die Mitgliedschaft in der Neuapostolischen Kirche begründet wird. Es ist doch ungewöhnlich, dass so viele Erwachsene plötzlich zum neuapostolischen Glauben wechseln wollen. Wie kam es dazu?
Zu jeder dieser Menschen könnte ich eine Geschichte erzählen. Dazu aber nur so viel: Der Wunsch, von der einen in die andere christliche Konfession zu wechseln entsteht ja nicht über Nacht und nicht ohne Grund. Dem ist in der Regel etwas vorausgegangen: Zum Beispiel prägende Begegnungen im Zusammenleben mit Neuapostolischen Christen, die ihren Glauben ernst nehmen. In einem Fall war es der Ehemann, der wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod – so ganz ohne jeden konkreten Anlass – seiner Frau diese „seine Kirche“ ans Herz gelegt hat. Das ließe sich noch beliebig fortsetzen. Immer sind Erlebnisse und Erfahrungen die Ursache für einen solchen Wunsch. Auf der anderen Seite haben wir in unserer Gemeinde aber auch eine Kultur der offenen Türen und Herzen. Ich stelle immer wieder fest, dass die Gemeindemitglieder sich jedem „Neuankömmling“ zuwenden. Jemand der neu in der Gemeinde erscheint, bleibt in der Regel nicht lange allein in einer Ecke stehen. Ich bin sehr dankbar und erfreut über diese tolle christliche Kultur in unserer Gemeinde. Das trägt halt seine Früchte.
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